Figuren-Magazin Online
Main Menu
Figuren-Magazin
Aktuelle Ausgabe
Figuren-Messe
Aktuelle Informationen
Literatur-Shop
Magazin-Archiv
Online-Artikel
Werbung / Links / Infos
Kontakt / Impressum
Rundgang durch das Hausser-Werk III (1) | Drucken |

Diavortrag, Peter Müller, Bad Nauheim, 17. Oktober 2008:


Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Sammler-Kollegen!


Für den interessierten Sammler ist es immer von Bedeutung, etwas mehr von seinem Sammelgebiet zu erfahren, als nur das, was das blanke Sammelobjekt selbst hergibt. So ergibt sich auch für viele von uns Sammlern das besondere Interesse an der Geschichte der Firma Hausser, dem einstmals weltgrößten Hersteller für Spielfiguren aller Art.

Als im Frühjahr 2007 das Werk III der ehemaligen Hausser-Elastolin-Werke in Neustadt bei Coburg für den Abriss freigegeben und dieser ausgeführt wurde, verschwand damit ein großes Stück deutscher und internationaler Spielzeuggeschichte. Die Mauern der Gebäude wurden eingerissen, der dazugehörende gebäudeüberragende Fabrikturm und der Schornstein gesprengt, das alt gediente Baumaterial geschreddert und damit der Platz eingeebnet. Ein so genannter Supermarkt wurde dann sofort auf diesem klein gehackten Baumaterial und spielzeughistorischen Boden errichtet. Ein schneller und ‚genialer’ Zug unserer Zeit!

Das alte, bautechnisch gesehen interessante Gebäude aus der Gründerzeit um 1880 mit dem modernen Anbau von 1968 war in einem guten Bauzustand. Nur ein unbedeutender Teil des Neubaus, der Kartonagenabteilung, ist durch eine Wasseransammlung auf dem Dach eingestürzt. Sicherlich war dies mit der Anlass für den Gesamtabriss der Fabrik- und Gebäudeanlagen.

So hat man symbolisch gesehen die Geburtsstätte vieler Elastolin-Figuren und weiteren Hausser-Produkte (auch die der Barbie-Puppe), welche weltweit großen Anklang fanden, gesprengt und dem Erdboden gleichgemacht.

Ein Blick zurück:
1936 war das Jahr, in dem das Ludwigsburger Spielwarenunternehmen O+M Hausser seinen großen Umzug von Ludwigsburg nach dem oberfränkischen Neustadt bei Coburg ausführte. Aus Platzgründen, bedingt durch Kündigung der angemieteten Räume, Arbeits- und Lagerhallen, war Hausser genötigt, einen neuen Standort für sein großes und aufwärts strebendes Unternehmen zu suchen. Die Wahl unter mehreren Städten fiel auf Neustadt. Dort standen in Bahnhofnähe große Fabrikanlagen leer, nachdem die vorherigen Eigentümer in Konkurs gegangen waren.

Drei große Fabrikgebäudeblöcke beiderseits der Eisenbahn gehörten zu dem vorhergehenden Unternehmen Max Oskar Arnolds, welches Elektroschalter und elektrotechnische Geräte und Anlagen herstellte. Max Oskar Arnold hatte die drei großen, räumlich etwas voneinander getrennten Fabrikanlagen in Werk I, II und III gegliedert. Das Werk I, direkt gegenüber dem Bahnhofgebäude; das Werk II in gleicher Reihe etwas seitlich des Bahnhofes - und das Werk III auf der anderen Seite der Gleise.

Hausser übernahm diese Bezeichnungen für seine neuen Spielwaren- und Elastolin-Werke und richtete dann 1936 im Werk I die Presserei für die Massefiguren und die Malerei für besondere Figuren, Pferde für Reiterfiguren, Tiere, Burgen und Bauernhöfe ein. Auch die Montagen der Gespanne, Fahrzeuge und anderem technischen Spielzeug, auch die der Burganlagen, wurden hier ausgeführt. Im Werk II war die Schreinerei und der holzverarbeitende Betrieb für Roller und Dreiräder, für alle Holzspielsachen und mit Holzzuschnitten bearbeitetes Spielzeug wie Bauernhöfe, Archen, Burgen, Bunker, Befestigungsanlagen und ähnliches untergebracht. Auch befand sich im Werk II die Werkzeugmacherei für den hauseigenen Formenbau und die Herstellung von Metall- und Blechteilen für Militärfahrzeuge und andere, mit Metallteilen ausgestattete Spielwaren.

Das Werk III beinhaltete die Geschäftsleitung mit Büros, das Musterzimmer für Kundenbesuche, das Firmenatelier, in dem Neuschöpfungen von Hausser-Spielzeug und Elastolin Figuren erdacht und modelliert wurden, den Dioramenbau, die Kartonagenabteilung mit eigener Druckerei für die Verpackungen, Spiele und den hauseigenen Verlag. Das Lager der fertigen Firmenprodukte und der Versand, auch die Archive der Hausser-Firmenerzeugnisse seit Beginn der Spielwarenproduktion um 1907, waren hier untergebracht.

Nach dem Firmenende 1983 standen dann die Gebäude der drei großen Hausser-Werksanlagen „still“ - bis sich zum Teil erst nach einigen Jahren neue Besitzer fanden. Das Werk I ging in den Privatbesitz einer Neustadter Familie. Der metallverarbeitende Teil des Werks II wurde von der Firma Preiser zur Produktion ihrer Eisenbahnfiguren und der Preiser Elastolin-Figuren übernommen - der holzverarbeitende Teil des ehemaligen Hausser-Werks II stand leer, bis er 1999 abbrannte. Im Werk III fand sich ein paar Jahre nach dem Hausser-Konkurs eine Produktionsstätte für Polstermöbel mit der Firmenbezeichnung Jumbo. Nachdem auch diese Firma 2002 ihre Produktion aufgab bzw. die Geschäftsleitung sich über Nacht ins Ausland absetzte, lagerten und lagen dort Polstermöbel, halbfertige Produktionsteile und Materialien massenweise herum und verdeckten somit noch Interessantes, also Zurückgelassenes und Vergessenes aus der vorhergehenden hausserschen Firmenära.

Nachdem ich von dem drohenden Abriss des Hausser-Werks III erfahren habe bzw., dass es eine klare Sache der Neustadter Stadtväter war, das eigentlich denkmalgeschützte Gebäude dem Abriss preiszugeben, war es für mich wichtig, noch Eindrücke von dem alten Gebäudekomplex zu sammeln.

Ich hatte die Möglichkeit, mich einige Monate vor dem definitiven Abriss frei in allen Gebäudeteilen zu bewegen und konnte viel Hausser-Interessantes festhalten und einige neue Erkenntnisse aus der Hausser-Firmengeschichte gewinnen. Außerdem konnten einige interessante Gegenstände und Papiere aus dieser Firmengeschichte sichergestellt werden.
Dies hat alles riesigen Spaß gemacht!

Und nun lade ich zu einem Rundgang durch das Hausser-Werk III ein…

 
© 2019 Verlag Figuren Magazin. Alle Rechte vorbehalten.